Kulturausschuss

Start: 2026-06-03 15:02
Ende: 2026-06-03 16:15
Ort: Rathaus Essen, Porscheplatz, , Sitzungsraum Sunderland, R 1.21

Tagesordnungspunkte (KI generiert)

Der Kulturausschuss tagt am 3. Juni 2026 im Rathaus Essen und behandelt öffentliche Punkte wie die Niederschrift der letzten Sitzung, Anträge zu Bücherschränken, die Essener Charta gegen Einsamkeit, Jahresberichte der Stadtbibliothek sowie Förderprogramme für kulturelle Bildung und Grundschulkinder. Zudem stehen die Verlängerung der Förderung für das Ruhr Museum, regionale Kulturförderung und ein Aktionstag zum Thema Zusammenhalt auf der Tagesordnung. Nicht öffentlich werden Vertragsangelegenheiten zur Philharmonie Essen besprochen.

Einfache Sprache (KI generiert)

Der Kulturausschuss trifft sich am 3. Juni 2026 im Rathaus Essen. Es geht um alte Protokolle und neue Anträge. Die Stadtbibliothek berichtet über ihre Arbeit. Es gibt Pläne für Bücherschränke und ein Programm für Grundschulkinder. Die Stadt will Einsamkeit verhindern und fördert Kulturprojekte. Ein Aktionstag für Zusammenhalt ist geplant. Hinter verschlossenen Türen werden Verträge für die Philharmonie besprochen.

TL;DR (KI generiert)

Die Ratsgruppe begrüßt die neue Zentralbibliothek als wichtigen Schritt für soziale Teilhabe, kritisiert aber die prekäre Personalsituation mit überdurchschnittlicher Krankenquote und fehlenden Mitteln für Betrieb und Digitalisierung; die Einsamkeits-Charta wird als richtiger Ansatz gelobt, aber ohne messbare Ziele und Finanzierung als symbolpolitisch entlarvt; die Förderung von „Kulturstrolche“ und Kulturagentenschulen wird als gelungenes Beispiel für evidenzbasierte Kulturpolitik hervorgehoben; die Ablehnung von AfD-Anfragen zur „politischen Neutralität“ in der Kunstförderung wird als konsequente Verteidigung der Kunstfreiheit nach GG Art. 5 Abs. 3 unterstützt.

Bericht der Ratsgruppe

Zwischen Bücherstapeln, Einsamkeit und Kunstfreiheit: Was die 5. Sitzung des Kulturausschusses über Essens kulturelle Zukunft sagt

Die Sitzung des Kulturausschusses am 3. Juni 2026 war vollgepackt und genau das machte sie interessant. Wer genau hinhört, erkennt: Es geht hier nicht nur um Bücherschränke, Jahresberichte und Förderanträge. Es geht um die Frage, was Kultur in einer Stadt wie Essen leisten soll, wer Zugang dazu hat, ob wir bereit sind, das zu messen und wer es mit politischen Mitteln einzuschränken versucht.

Die Zentralbibliothek: Ein Versprechen, das ich unterstütze

Das Herzstück dieser Sitzung war für mich der Jahresbericht der Stadtbibliothek. Direktorin Katharina Beberweil hat klar und mit Überzeugung vorgestellt, wofür die neue Zentralbibliothek am Markt 5/6 steht: Sechs Ebenen, 10.000 Quadratmeter, mitten in der Essener Innenstadt. Eröffnung: 24. Oktober 2026.

Ich sage das ausdrücklich: Das ist mehr als ein Umzug. Das ist eine politische Entscheidung über die Frage, was öffentlicher Raum in einer Stadt sein soll. KOSTENLOS -> KONSUMFREI & somit OFFEN FÜR ALLE. Ein Ort, an dem man lernen, träumen, scheitern und sich begegnen kann, ohne Eintritt, ohne Verzehrpflicht und ohne Erwartung.

Gerade in einer Stadt mit den sozialen Ungleichgewichten, die Essen hat, ist das keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine bewusste Entscheidung für Teilhabe.

Makerspace, Musikbibliothek, Bibliothek der Dinge, digitale Medienzugänge, kostenlose Ausweise für alle Kinder bis 18, die neue Zentralbibliothek kann das alles auf einer Fläche bündeln, die bisher nicht existiert hat. Ich freue mich darauf und werde die Entwicklung aufmerksam begleiten.

Was mich trotzdem beschäftigt: Die Bibliothek, die gerade schließen musste

Beberweil hat in der Sitzung auch offen kommuniziert, was gerade schiefläuft: Die Zentralbibliothek am Gildehof ist seit dem 23. Mai geschlossen. Defekte Lüftungsanlage, 27–28 Grad im Publikumsbereich, keine Querlüftung möglich. Eine klare Entscheidung im Interesse der Mitarbeitenden und Besucher:innen und dennoch eine, die zeigt, wie fragil öffentliche Infrastruktur sein kann, wenn sie nicht gepflegt wird.

Personal: Die stille Krise hinter den Zahlen

Die Stadtbibliothek hat 115 Mitarbeitende und eine Krankenquote von über 10 Prozent, konstant, saisonunabhängig. Der Stadtdurchschnitt liegt bei 2 bis 8 Prozent. Im Jahr 2025 gingen 20 Kolleg:innen, viele davon erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand. Das Wissen ist weg und nicht kurzfristig ersetzbar.

Beberweil hat das klar benannt: Andere Großstadtbibliotheken vergleichbarer Größe arbeiten mit 150 bis 200 Mitarbeitenden. Essen kommt mit knapp 120 aus. Das sei, so die Direktorin, realistisch betrachtet mittelfristig nicht zu ändern.

Das nehme ich ernst und halte es für eine politische Aufgabe, dieses Delta sichtbar zu machen. Eine Bibliothek, die als sozialer Ort, Bildungsort und Begegnungsort funktionieren soll, braucht Menschen, die das tragen. Räume allein machen noch keinen Dritten Ort.

Die Einsamkeits-Charta: Gut gedacht, noch nicht gut genug

Die Essener Charta zur Verhinderung und Bekämpfung von Einsamkeit wurde einstimmig zur Empfehlung an den Rat beschlossen, ohne Gegenstimmen, ohne Enthaltungen. Ich habe mitgestimmt.

Denn das Anliegen ist richtig. Einsamkeit betrifft Menschen in allen Altersgruppen und Lebenslagen. Sie macht krank, sie schwächt Vertrauen, sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe und keine individuelle Schwäche.

Und doch bleibt eine Frage offen, die ich in der Sitzung gestellt habe und die ich weiter stellen werde: Wie messen wir, ob diese Charta wirkt? Die acht Leitsätze sind gut formuliert. Aber kein einziger enthält ein messbares Ziel, einen Zeitplan oder einen Indikator. Alle Kostenfelder in der Vorlage waren mit "Nein" angekreuzt. Der "organisatorische Anknüpfungspunkt in der Verwaltung" bleibt vage.

Eine Charta, die niemanden verpflichtet und nichts kostet, kann viel bedeuten oder auch wenig. Das liegt an uns. Ich werde darauf drängen, dass im nächsten Jahr ein erster Wirkungsbericht vorgelegt wird.

Kulturstrolche und Kulturagenten: Wo wirklich etwas passiert

Das Förderprogramm "Kulturstrolche" startet in Essen ab dem Schuljahr 2026/27. Grundschulkinder der Klassen 2 bis 4 erleben in einem dreijährigen Zyklus mindestens sechs Kultursparten, von Theater über Musik bis zu digitalen Medien. 58 Städte in NRW machen bereits mit. Essen kommt dazu.

Das ist genau das, was Kulturpolitik leisten soll: Früh ansetzen, systematisch vorgehen, und dabei gezielt Schulen mit höherem Bedarf berücksichtigen. Ich habe nachgefragt und gehört, dass die Auswahl der teilnehmenden Schulen in enger Abstimmung mit der Schulaufsicht erfolgt, mit besonderem Blick auf Schulen mit höherem Sozialindex. Das ist der richtige Ansatz.

Ergänzend dazu: Die sechs Kulturagentenschulen haben 2025 insgesamt 39 Projekte mit 2.060 Schüler:innen durchgeführt. Kooperationen mit dem Ruhr Museum, der Philharmonie, dem Museum Folkwang, der Zeche Carl. Das sind echte Zahlen mit echter Wirkung.

Kunstfreiheit ist nicht verhandelbar

Die AfD-Ratsfraktion hat in der Sitzung eine Anfrage zur "politischen Neutralität" bei der Kulturförderung gestellt, ausgelöst durch das Theaterstück "Das Känguru-Manifest" im Grend-Theater. Die Frage: Ob öffentlich geförderte Projekte einen Eindruck "einseitiger parteipolitischer Positionierung" erzeugen könnten.

Der Vorsitzende hat diese Anfrage schriftlich beantwortet. Ich möchte meine Haltung dennoch klar sagen:

Kunstfreiheit steht in Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes. Sie gilt auch dann und gerade dann, wenn das Ergebnis unbequem ist. Satire ist keine Parteipolitik. Eine Verwaltungsprüfung darüber, ob Kulturprojekte einen "falschen Eindruck" erzeugen könnten, wäre der Einstieg in Selbstzensur. Das lehne ich ab.

Öffentliche Kulturförderung hat Kriterien, künstlerische Qualität, gesellschaftliche Relevanz, Zugänglichkeit. Diese Kriterien sind transparent und ausreichend. Sie brauchen keine Ergänzung um eine Wohlgefälligkeitsprüfung.

Was bedeutet das für uns?

Als Volt Essen & Die PARTEI setzen wir uns dafür ein, dass Kulturpolitik in Essen zugänglich, evidenzbasiert und frei ist. Konkret bedeutet das:

Teilhabe braucht Ressourcen: Die neue Zentralbibliothek ist ein großes Versprechen. Damit es kein leeres bleibt, braucht sie ausreichend Personal, ein gesichertes Budget für digitale Medien und laufende Betriebskosten, die im Haushalt hinterlegt sind.

Wirkung muss messbar sein: Die Einsamkeits-Charta ist ein guter Rahmen, aber ohne Daten, Zeitplan und Verantwortlichkeit bleibt sie Symbolpolitik. Wir werden auf einen ersten Wirkungsbericht drängen.

Kultur für alle Stadtteile: Die Dezentralbibliotheken sind keine Restposten des Flaggschiffs. Sie sind für viele Menschen das einzige kulturelle Angebot in Gehweite. Huttrop, Freisenbruch, Borbeck, sie alle haben ihren Platz.

Kunstfreiheit verteidigen: Kulturförderung darf nicht von politischem Wohlgefallen abhängen. Wir werden jeden Versuch, diesen Grundsatz zu unterhöhlen, benennen und ablehnen.

Es war eine dichte Sitzung, mit einem Versprechen für die Zukunft und offenen Fragen, die ich weiterverfolgen werde.

Ich bleibe dran.

Deine Mandy Hindenburg

Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm Founder I Vorständin der vilaron Stiftung Founder I Vorständin vom BPW eClub Founder I GF von Mach mit! Essen gUG

Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.