Ausschuss für Umwelt, Klima- und Verbraucherschutz
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Bericht der Ratsgruppe
Zwischen Klimaberatung, Turmerhalt und einer Hornisse, die uns noch lange beschäftigen wird: Was die Sitzung des Umweltausschusses über Essens ökologische Zukunft sagt
Die Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima- und Verbraucherschutz am 2. Juni 2026 war dicht, technisch und an manchen Stellen überraschend politisch. Wer genau hingehört hat, erkennt: Es geht hier nicht nur um Bussteige, Stützmauern und Hornissennester. Es geht um die Frage, wie ernst wir es mit dem Klimaschutz meinen und wer die Verantwortung trägt, wenn staatliche Instrumente wegfallen.
Der KlimaTreff: Ein guter Start, aber Beratung allein reicht nicht
Das Herzstück dieser Sitzung war für mich der Jahresbericht zum KlimaTreff, Essens kommunalem One-Stop-Shop für energetische Gebäudesanierung. Dr. Knutzen von der Grünen Hauptstadtagentur hat klar und engagiert vorgestellt, was in einem Jahr aufgebaut worden ist: 250 individuelle Beratungen, über 1.000 Teilnehmende bei Veranstaltungen, eine "Woche der Modernisierungskultur" im November und Vernetzung auf europäischer Ebene, unter anderem über das EU-Peers-Netzwerk.
Ich sage das ausdrücklich: Das ist eine solide Grundlage, die Verwaltung hat hier ambitioniert und mit Überzeugung gestartet.
Aber der Bericht war auch ehrlich und das verdient Respekt: Die bundesweite Sanierungsquote sinkt weiter, auf inzwischen 0,67 Prozent jährlich. Wir bräuchten das Vierfache davon, um die Klimaziele im Gebäudesektor bis 2045 zu erreichen. Beratung allein schließt diese Lücke nicht.
Was mich beschäftigt:
Der Plan, einen physischen Anlaufpunkt, ein Ladenlokal mit Laufkundschaft, zu eröffnen, wurde still aufgegeben. Das ist ein Rückschritt. Denn wer nicht aktiv sucht, kommt nicht in die Bibliothek, nicht ins Online-Angebot und nicht zur Abendveranstaltung. Genau das sind aber die Menschen mit dem größten Sanierungspotenzial: Eigenheimbesitzer, die seit Jahrzehnten in ihren Häusern wohnen und nie auf die Idee kämen, sich eigeninitiativ beraten zu lassen.
Ich habe deshalb zwei Fragen gestellt, die ich weiterverfolgen werde: Wann wird das Ladenlokal-Konzept neu aufgegriffen? Und plant Essen, dem Beispiel anderer Städte zu folgen und eine lokale Handwerksdatenbank aufzubauen, damit Sanierungswillige nicht am fehlenden Fachbetrieb scheitern?
Das Forschungsprojekt mit dem Wuppertal Institut, das genau das messen und stärken sollte, wurde vom Bundesministerium leider abgelehnt. Ein neuer Anlauf ist für 2026 geplant. Ich hoffe sehr, dass er gelingt, denn ohne Wirkungsmessung bleibt auch das Beste Beratungsangebot eine Blackbox.
Der Grugaturm: Kein Luxus, sondern Pflicht
Der zweite große Beschluss dieser Sitzung betraf den Grugaturm, ein 1929 erbautes Stahlfachwerk-Baudenkmal, das seit Jahren gesperrt ist. Korrosion, bleihaltige Altbeschichtung, eine Stahlkonstruktion, die mit moderner Technik nicht mehr schweißbar ist. Herr Ricken vom Amt für Grün und Gruga hat klar erklärt: Wenn wir jetzt nicht handeln, ist der Turm in drei bis fünf Jahren nicht mehr zu retten.
Die AfD stimmte dagegen, mit Verweis auf die Haushaltslage. Das ist eine Position, die ich respektiere, aber nicht teile.
Wer ein eingetragenes Baudenkmal besitzt, hat eine Erhaltungspflicht. Diese Pflicht entfällt nicht, weil die Finanzen angespannt sind. Und ein Turm, der 100 Jahre Geschichte des Grugaparks trägt und vor der Schließung täglich 200 bis 300 Besuchende anzog, ist kein Luxus. Er ist Teil des kulturellen und ökologischen Identitätsgedächtnisses dieser Stadt.
Ich freue mich, dass die Empfehlung an den Rat mit breiter Mehrheit angenommen wurde und ich freue mich schon auf den Blick von der Aussichtsplattform zum Parkjubiläum 2029.
Was ich trotzdem nachfragen werde:
Im Zuge einer Komplettsanierung sollte geprüft werden, ob nachhaltige Betriebstechnik integriert werden kann, energieautarke Beleuchtung, Solarpanele, wo denkmalverträglich möglich. Das Dokument schweigt dazu vollständig und wir sehen es als eine verpasste Gelegenheit.
Die Buswendeanlage Heisingen: Gut geplant, mit offenen Fragen
Seit 2018 wird geplant, jetzt liegt das Ergebnis auf dem Tisch: 15 Varianten, eine klare Empfehlung für Variante 4.1 Nord, 6,6 Millionen Euro, Umsetzung frühestens 2029. Der Ausschuss hat den Punkt zur Kenntnis genommen; die eigentliche Entscheidung liegt beim Ausschuss für Verkehr und Mobilität.
Ich halte die Richtung für grundsätzlich richtig: ÖPNV und Fuß- und Radverkehr werden stärker gewichtet als der motorisierte Individualverkehr, die Flächenversiegelung ist so gering wie möglich gehalten, eine Mobilitätsstation mit Leihrädern und Carsharing ist vorgesehen.
Aber drei Punkte werde ich weiterverfolgen:
Die Klimabilanz fehlt. Für ein 6,6-Millionen-Projekt, das 8.000 Quadratmeter Eingriffsfläche erzeugt, ist "nicht ermittelbar" kein akzeptabler Prüfbefund. Spätestens zur Entwurfsplanung muss eine vollständige Bilanz vorliegen, Bauphase eingeschlossen.
Die E-Ladesäulen sind bisher nur eine Hoffnung, kein Plan. "Durch einen möglichen Betreiber" ist keine Planung. Ladeinfrastruktur gehört in die Ausführungsplanung, nicht ins Kleingedruckte.
Und schließlich: Die Bürgerinnen und Bürger in Heisingen haben 2021 erhebliche Kritik eingebracht. Die Planung hat sich seither fundamental verändert. Eine erneute Beteiligung ist rechtlich nicht vorgeschrieben, aber ich würde mir wünschen, dass wir freiwillig eine Informationsveranstaltung anbieten, bevor der Satzungsbeschluss fällt. Vertrauen wächst durch Beteiligung, nicht durch Verwaltungsakte.
Die Asiatische Hornisse: Rückzug im falschen Moment
Vespa velutina, die Asiatische Hornisse, ist seit zwei Jahren auf Essener Stadtgebiet nachgewiesen. Und die EU hat ihre rechtliche Einstufung geändert: Von einer Art mit aktiver Bekämpfungspflicht zu einer "weit verbreiteten Art", bei der das Management den Betroffenen überlassen bleibt.
Die Konsequenz der Verwaltung: Die bisherige finanzielle Unterstützung für Nestbeseitigungen im 850-Meter-Radius um Schutzgebiete wird eingestellt. Rechtlich korrekt. Haushälterisch nachvollziehbar. Ökologisch beunruhigend.
Ich sage das ohne Drama, aber mit Klarheit: Frankreich hat im März 2025 die Bekämpfung gesetzlich zur Staatsaufgabe gemacht, nicht aus Übereifer, sondern weil Belgien und Nordfrankreich gezeigt haben, was passiert, wenn man zu lange wartet. Bis zu 50 Prozent weniger Imkereien, massive Schäden für Bestäuber und Landwirtschaft.
Essen zieht sich genau in dem Moment zurück, in dem sich die Art weiter ausbreitet.
Was ich stattdessen vorschlage:
Kein teures Förderprogramm. Sondern etwas Kleineres und Wirksameres: ein systematisches Monitoring. Die Universität Duisburg-Essen ist am europäischen Projekt VELUTINA beteiligt, das genau das tut, Sichtungen erfassen, Nester kartieren, Ausbreitung modellieren. Eine Kooperation kostet wenig und gibt uns die Datenbasis, die wir brauchen.
Wri werden die Verwaltung bitten, diese Möglichkeit zu prüfen und den Ausschuss zu informieren.
Der Grüne-Antrag (TOP 10.1) wurde übrigens von der Tagesordnung genommen. Ich nehme an, das Thema kommt wieder. Ich bin bereit.
Was sonst noch wichtig war
Der Forstbetriebsplan 2028 wird neu aufgestellt, mit digitaler Bürgerbeteiligung, LIDAR-Laserscan und dem klaren Ziel einer klimaresilienten Waldbewirtschaftung. Das ist innovativ und datenbasiert: genau die Herangehensweise, die ich mir für mehr kommunale Entscheidungen wünsche. Meine Nachfrage: Werden auch neuere zivilgesellschaftliche Akteure in die Stakeholder-Runde aufgenommen, nicht nur die Verbände von 2017?
Fairtrade Town Essen bleibt aktiv und kreativ: Studierendenprojekte, VHS-Kooperationen, ein Vortrag zu Geschlechtergerechtigkeit in globalen Lieferketten im November. Das alles läuft weitgehend ohne Haushaltsmittel, mit 10.000 Euro Wettbewerbspreis und vielen Kooperationen. Respekt dafür. Meine Folgefrage bleibt: Wann beginnt die Stadt, ihre eigene Beschaffung konsequent fair zu gestalten?
Die Stützwand an der Jugendherberge Werden wird repariert, einstimmig, alternativlos, notwendig. Gut so.
Was bedeutet das für uns?
Als Volt Essen & Die PARTEI setzen wir uns dafür ein, dass Klimapolitik in Essen wirksam, europäisch vernetzt und evidenzbasiert ist. Konkret bedeutet das:
Beratung braucht Präsenz: Der KlimaTreff ist ein guter Anfang. Damit er wirklich ankommt, braucht er einen physischen Ort, der Menschen anzieht, nicht nur Menschen, die bereits suchen.
Wirkung muss messbar sein: Das Forschungsprojekt mit dem Wuppertal Institut muss gelingen. Ohne Qualitätsmessung bleibt auch das beste Angebot eine Vermutung.
Monitoring statt Rückzug: Bei der Asiatischen Hornisse darf Essen nicht auf passive Reaktion setzen. Eine Kooperation mit der UDE wäre ein kluger, kostengünstiger Schritt.
Klimaresilienz bei jedem Projekt mitdenken: Ob Buswendeanlage, Grugaturm oder Stadtwald, jedes größere Vorhaben braucht eine echte Klimabilanz, kein Ankreuzformular.
Es war eine Sitzung mit vielen Pflichtpunkten und einigen Weichenstellungen, die ich aufmerksam begleiten werde.
Ich bleibe dran.
Deine Mandy Hindenburg
Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm Founder I Vorständin der vilaron Stiftung Founder I Vorständin vom BPW eClub Founder I GF von Mach mit! Essen gUG
Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.