Handelshof-Schriftzug: Stadt Essen erklärt eigenes Beteiligungsverfahren für gescheitert
Die Ratsgruppe Volt & Die PARTEI kritisiert die Entscheidung der Stadt Essen, dauerhaft auf einen Slogan am Handelshof zu verzichten. Nach Jahren der Diskussionen, Bürgerbeteiligungen, Ratsbeschlüsse und öffentlichen Debatten bleibt nun lediglich das Wort „Essen“ übrig. Das ist nicht nur ein Armutszeugnis für das Stadtmarketing, sondern auch ein Offenbarungseid der Stadtverwaltung.
Der Schriftzug auf dem Handelshof ist weit mehr als eine Leuchtreklame. Für Millionen Bahnreisende ist er seit Jahrzehnten die Visitenkarte unserer Stadt. Seit den 1950er Jahren begrüßte dort der Schriftzug „Essen – Die Einkaufsstadt“ Besucherinnen und Besucher am Hauptbahnhof. 2022 wurde dieser anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Museum Folkwang durch „Essen – Die Folkwangstadt“ ersetzt. Die Änderung war ausdrücklich als temporäre Lösung gedacht.
Anschließend startete die Stadt einen umfangreichen Beteiligungsprozess. Bürgerinnen und Bürger konnten Vorschläge einreichen und über neue Slogans abstimmen. Zur Wahl standen unter anderem „Essen – Willkommen“, „Essen – voller Energie“ und erneut „Essen – Die Folkwangstadt“. Am Ende konnte sich jedoch keine Variante durchsetzen. Die Mehrheit der Teilnehmenden lehnte sogar sämtliche Vorschläge ab.
„Wenn die Stadt erst einen Beteiligungsprozess startet, die Bürgerinnen und Bürger Vorschläge einreichen lässt, eine Jury einsetzt und anschließend mehrere Jahre diskutiert, dann darf das Ergebnis nicht einfach sein, dass man gar nichts mehr macht“, erklärt die Ratsgruppe Volt & Die PARTEI.
Besonders irritierend ist, dass die Stadt nun auf die Eigentümerin des Gebäudes verweist, die angeblich nur der Variante ohne Slogan zugestimmt habe. Damit endet ein mehrjähriger Prozess ohne Vision, ohne Botschaft und ohne erkennbaren Mehrwert für das Stadtimage.
Dabei zeigt die Geschichte des Handelshof-Schriftzugs, dass Essen durchaus in der Lage war, mit wenigen Worten ein Selbstverständnis der Stadt zu vermitteln. Ob „Die Einkaufsstadt“ oder „Die Folkwangstadt“ – beide Begriffe standen für eine bestimmte Epoche und einen Anspruch der Stadt. Heute bleibt lediglich eine leere Fläche und die Botschaft: Nach jahrelanger Diskussion fällt uns nichts mehr ein.
Die Ratsgruppe Volt & Die PARTEI hätte sich gewünscht, dass die Stadt mutiger agiert und gemeinsam mit Bürgerschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik einen tragfähigen Kompromiss entwickelt. Gerade in Zeiten, in denen Städte um Aufmerksamkeit, Fachkräfte, Besucher und Investitionen konkurrieren, sollte Essen den Mut haben, sich selbstbewusst zu präsentieren.
Dass ausgerechnet nach einem mehrjährigen Beteiligungsverfahren nun dauerhaft auf jede Aussage verzichtet wird, ist keine Lösung – sondern die Kapitulation vor der eigenen Ideenlosigkeit.
Foto Tuxyso / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0